KUNSTSPEICHER Hall

KUNSTSPEICHER Hall

Leitgedanke

Die grundlegende Idee des Entwurfs basiert auf der Gegenüberstellung der zwei Hauptfunktionen des Gebäudes –Bewahren und Bearbeiten von Kunst- und Kulturgütern.

Diese beiden Funktionen werden durch zwei Baukörper definiert. Um die Funktion des Bewahrens legt sich die dienende Funktion des Bearbeitens. Eine klar definierte, überdachte Fuge zwischen den Baukörpern trennt und verbindet gleichzeitig diese beiden Funktionen. So bilden diese beiden Körper in Summe wiederum eine Einheit.

Die Fuge verdeutlicht an jedem Punkt des Gebäudes wofür eigentlich gearbeitet wird – für die Bewahrung von Kulturgütern. Besonders erlebbar wird die Fuge durch die Vertiefung über alle Geschoße des Depots, bis zu 8 Meter unter Terrain.  Die beiden Untergeschosse des Speichers und der eigentliche Gebäudezweck werden im Innenraum sichtbar.

Aus diesem Grundgedanken entwickeln sich sämtliche Funktionen und Anforderungen.

Bewahren     DEPOT

Der Speicher (Bewahren) ist ein in sich geschlossener Kubus mit vier Ebenen. Die Erschließung des Speichers erfolgt über Brücken. Die Erschließungszone (gleichzeitig die Schleuse) innerhalb des Kubus ist zentral angeordnet und ermöglicht so eine kurze Horizontalerschließung.

Für die Konstruktion des Kubus wird eine Massivbauweise mit Sandwichbeton und ein Stützraster von 7,5 m gewählt. Diese Konstruktion ermöglicht hohe Variabilität der Anordnung im Inneren. Nach Außen bietet die öffnungsfreie Hülle einen besonders guten klima- und sicherheitstechnischen Schutz.

Die Stetigkeit des Bewahrens zeigt sich nicht nur in der Wahl des Baustoffs Beton- sondern auch in den an Sedimentschichten erinnernde Erscheinungsbild der äußeren Betonstruktur. Unterschiedlich gefärbter Beton wird schichtweise verarbeitet. Zugesetzte Farbpigmente auf Basis natürlicher Oxidpigmente sichern die Dauerhaftigkeit der Einfärbung.

Die landschaftliche Schichtung der Umgebung wird übersetzt und das Gebäude verortet.

Bearbeiten     BÜRORÄUME / ATELIERRÄUME               MANIPULATION / WERKSTÄTTEN

Das Gebäude wird westseitig im EG erschlossen. Beim Betreten des Gebäudes werden bereits im Zugangsbereich entlang der Fugenkanten den Nutzern/Gästen die innenräumlichen Qualitäten und die Klarheit der Gebäudestruktur vermittelt. Im Zugangsbereich befinden sich Treppe und Personenlift, die ins OG zu den Büro-und Atelierräumen führen. Direkt vom Eingang erreichbar ist die Verwaltung und der Sozialbereich mit gesichertem Freibereich angeordnet.

Im nördlichen Gebäudebereich des EG sind die Werkstätten und die entsprechenden Manipulationsflächen der Anlieferung untergebracht. Gegenüber der Entladezone befindet sich die Speicherschleuse. Die Verikalerschliessung zur Manipulation der Kunstgegenstände befindet sich im Speicher selbst.

Die Arbeitsräume und Ateliers sind im OG des L-förmigen Gebäudeteils um den Speicher angeordnet. Die Kustodiate Restaurierung und Naturwissenschaften sind jeweils auf einen Flügel aufgeteilt.

Im Schnittpunkt der beiden Flügel befindet sich der Bereich der Vor-und Frühgeschichte. Die räumlich nahe Zuordnung der Arbeitsbereiche zu den jeweiligen Depots ermöglichen besonders kurze Wege.

Aufgrund der geometrischen Anordnung ist die Fassade des Speichers an 2 Ansichtsseiten Außenfassade und an den anderen beiden Fassaden bestimmendes Gestaltungselement für den Innenraum.

Die Fuge besitzt ein Glasdach und lässt Licht herein. Neben der funktionalen Qualität des Lichtraumes für den Innenraum zwischen Bewahren und Bearbeiten werden die Speicherwände je nach Sonnenstand in differenzierte Farbnuancen getaucht.

Die Vorlageräume sind Solitärräume im Luftraum und Bindeglied zwischen Speicher und Restaurierung. Sie sind zur Speicherwand verglast und bieten Gastprofessoren ein adäquates  Ambiente für konzentriertes Arbeiten. Die Wegeführung vom Eingang zu den Vorlageräumen ist für Gäste leicht zu finden. Gegenüber den Vorlageräumen sind rhythmisch Gangnischen ausgebildet, an deren Stelle Licht in die Ateliers fällt. Alle Ateliers sind nordorientiert und blendfrei belichtet. Die vorgehängte Holzfassade des ansonst mineralischen Bauteils sorgt für baulichen Sonnenschutz. Das Holz wird sich im Laufe der Zeit verändern und ist Symbol für die Dynamik der Forschung.

Freiraum

Die erforderlichen Stellplätze und Verkehrswege werden im Sinne der Dauerhaftigkeit asphaltiert. Bezugnehmend auf den Ort wird der versickerungsfähige Außenbereich als pflegefreie Naturwiese und der Zugangsbereich als Steingarten mit Innkies ausgeführt. Dazwischen liegt der Personenzugang mit rutschfester Besenstrich –Oberfläche.

Kunstspeicher Hall

Kunstdepot
Planung /
2013
Bauherr /
Tiroler Landesmuseen